Der vergessene aktive Schallschutz
Fluglärm über Nauheim und Königstädten

Nauheim 2017: Judas-Silberlinge angekündigt

 

Hessischer Landtag 26.09.2017, neues Gesetz zum Fluglärm:

Um die „negativen Folgen des Fluglärms abzumildern“ will das Land Hessen dauerhafte Ausgleichszahlungen fluglärmgeplagten Kommunen zufließen lassen. Für Nauheims Rathaus sind 416.000 € Landesmittel pro Jahr angekündigt.

Das könnte Fluglärmbetroffene kalt lassen, wenn nicht im Gegenzug die Kommune Nauheim bereits seit sechs Jahren auf gesetzlichen Lärmschutz nach § 4 (2) Fluglärmschutzgesetz (FluglärmSchG) verzichtet hätte:

  • Dieser Verzicht bedeutet ein Abdanken an Minimum-Noise-Routing außerhalb gemeindlicher Wohnbebauung, wie es von Hessischen Landesregierungen verbindlich seit 1971 (carry over 1984) geregelt wurde… aber offensichtlich zukünftig als
  • Gegenleistung mit Landesmitteln aufgerechnet werden könnte

für den Verzicht auf Lärmschutz:

Mit einem Judas-Lohn von umgerechnet ca. 11 Cent pro Einwohner und Tag würden Nauheimer-900 %-Grundsteuer-zahlende-Bürger um Lärmschutzrechte betrogen werden, begleitet vom

  • eigentlichen Skandal: Nauheimer Kommunalpolitiker forderten bereits zuvor öffentlich solche Ausgleichzahlungen… statt gesetzlich zustehenden Lärmschutz für ihre Bürger zurück zu erstreiten.

Nach 18 Jahren Flughafenerweiterungspolitik wird aus Nauheimer (+Königstädter) Sicht zusammengefasst:

1971, Anrainer-Kommunen erhalten keine Ausgleichzahlungen für Fluglärm, dafür aber ein Kleinod:

  • Ein neues Fluglärmschutzgesetz (FluglärmSchG) des Bundes zwingt die Länder mit § 4 (2) zum Einrichten von regionalen Lärmschutzbereichen um deren Flugplätze mit sogenannten Minimum-Noise-Routen (MNR). Dies sind verbindlich vorgeschriebene Radarführungsstrecken, abgestimmt auf Landes- Raumentwicklungspläne, die den Lärmschutzbereichsverordnungen zugefügt werden:

1. Passiver Schallschutz berechnet sich zur Basis dieser Vorgaben,

2. aktiver Schallschutz ergibt sich durch das Andocken der unter Bundeshoheit stehenden Flugrouten an die unter Landeshoheit stehenden Minimum-Noise-Routen.

Der Knackpunkt: Vor 1971 durften Flieger nach den Starts in alle möglichen Richtungen gelotst werden, egal ob es sich um leise, abseits von Kommunen, oder um laute, über Kommunen verlaufende Streckenführungen handelte.

Zur Nauheimer (+Königstädter) Fluglärmsituation:

1. Vor Inbetriebnahme der Startbahn 18-West erfolgten Abflüge von den Parallelbahnen (Abflüge-25) nach Süden in Richtung Groß-Gerau und Nauheim über eine MNR, östlich von Nauheim verlaufend über Waldgebiete sowie Bruchwiesen.

2. Nach Inbetriebnahme der Startbahn 18-West 1984 erfolgten von hier aus Abflüge nach Südwesten in Richtung Groß-Gerau und Nauheim über eine MNR, südöstlich von Nauheim über Waldgebiete verlaufend sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen.

3. Seit 20. Oktober 2011 (Datum des MNR-Kartenanhanges zur aktuellen Landes-Lärmschutzbereichsverordnung) erfolgen jedoch Abflüge-25 nach Süden in Richtung Groß-Gerau und Nauheim (Südumfliegung) sinnwidrig über Wohngebiete, also als lautes Routing!

Nachdem solcherart „getürkte Minimum“-Noise-Routen zur Berechnungsgrundlage des passiven sowie aktiven Schallschutzes für Nauheim (+Königstädten) eingesetzt wurden, sind Bürger um ihre Lärmschutzbelange gebracht worden. Die Sinnhaftigkeit des § 4 (2) FluglärmSchG, wird ad absurdum geführt.

Es ist zurzeit unübersehbar, dass gerade dieser liberale Teil im FluglärmSchG einer Rückentwicklung unterzogen werden soll: Die Hessische Landesregierung arbeitet seit geraumer Zeit an kontraproduktiven Lärmobergrenzen mit Ranking (Frankfurter Fluglärmindex)…

… einer Lärmteppich-Version, wie sie 1971 per FluglärmSchG zwingend abgeschafft wurde:

Abweichend zu heute waren damals nicht die Summe der Überflüge das Problem, sondern das Niveau von Einzelschallereignissen mit Jet-Triebwerken der ersten Generation.


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Link zum Bundestagswahl-Politbrief:

Hände weg von §4 (2) Fluglärmschutzgesetz


Link zum eigentlichen Ziel: der Lärmobergrenzen-Problematik

Fraport bangt um Lärmobergrenzen